Heute im Zug habe ich eine Entscheidung getroffen. Keine Videos, kein Fernseher welcher Art für den heutigen und morgigen Tag.
Ich habe keine Erfahrungen mit "echten" Drogen. Aber ich habe mir sagen lassen, man werde total euphorisch. Und dann kommt offenbar der Absturz, man fühlt sich tausend Mal schlechter als man sich im nüchternen Zustand fühlen würde. Und man kann nur an eines denken: die nächste Dosis, der nächste Schuss. Hauptsache, man muss sich nicht spüren, Hauptsache, man muss diese negativen Gefühle nicht durchstehen.
Wenn man dann den körperlichen Entzug geschafft hat, ist es noch lange nicht vorbei. Wenn es einem schlecht geht, wenn man sich Sorgen ums Geld macht, wenn der Chef mies gelaunt ist - dann denkt man nur daran: Wenn ich jetzt nur ein bisschen Stoff hätte, dann...
Mein Fernsehkonsum nimmt teilweise solche Züge an. Dass ich denke: hey, jetzt hast du miese Laune - schau doch einfach ein bisschen fern, dann gehts dir wieder besser. Trugschluss. Es geht mir nicht besser. Ich spüre mich nicht mehr, ich bin nach zwei Stunden Fernsehen beduselt als hätte ich zu stark an der Flasche genuckelt. Aber besser gehts mir nicht. Sobald die Wirkung nachlässt und ich mich langsam wieder wahrnehme, sind alle Probleme und Sorgen wieder da. Mal abgesehen davon - wenn ich merke, wie viel kostbare Lebenszeit ich im Dämmerzustand verbracht habe, fühle ich mich nicht gerade toll. Das Leben ist viel zu schade, um es auf diese Art zu verbringen.
Meine Droge der Wahl ist das Fernsehen. Ich kenne auch Leute, die gehen einkaufen. Wann immer sie schlechte Laune haben, kaufen sie sich etwas. Oder diejenigen, die von ihrer Arbeit nicht loskommen, nicht einmal am Samstagabend. Glaubt mir, man kann von seinen Problemen nicht davonlaufen. Auch positives Denken wird nicht funktionieren - einen beschissenen Tag kann man sich nicht schöndenken.
Es gibt verschiedenste Arten, negative Gefühle loszuwerden. Am meisten hilft es meiner Erfahrung nach, sie auszudrücken. Jemandem davon erzählen, es aufschreiben, vielleicht auch nur ins Tagebuch, ein wütendes Klavierstück spielen, eine traurige Geschichte schreiben, sehnsüchtig tanzen...
So, und jetzt drückt mir die Daumen, dass ich heute und morgen durchhalte. Ich drück euch dafür im Gegenzug die Daumen, wenns bei euch soweit ist.
Dienstag, 12. Februar 2013
Donnerstag, 6. Dezember 2012
Langsamkeit braucht Mut
Ich hab kürzlich ein Experiment gemacht. Ich bin langsam durch die Bahnhofshalle des Zürcher Hauptbahnhofs gegangen. Ungewöhnlich? Radikal? Vielleicht radikaler, als man denkt.
Wer verkehrt auf eine Autobahn drauf fährt und als Geisterfahrer unterwegs ist, sollte eigentlich auf den Seitenstreifen und vor allen Dingen: bremsen. Logisch, oder? Was manche aber intuitiv machen, ist das genaue Gegenteil. Man fährt in Schlangenlinien um die entgegenkommenden Autos rum, gibt vor lauter Panik noch mehr Gas und wird dann schliesslich gebremst, indem man in ein oder mehrere Autos knallt.
Genau so haben sich die Leute verhalten. Sie rasten in einem Affenzahn direkt auf mich zu, obwohl ich doch ganz gemütlich meines Wegs gegangen bin. Ich war schon aus 10 Metern Distanz sichtbar, trotzdem sind sie teilweise erst 30cm vor meiner Nase ausgewichen. Teilweise kam ich mir fast asozial vor, weil ich nicht sofort zur Seite gerannt bin, wenn jemand auf mich zurannte.
Das Experiment war nicht bewusst angelegt. Ich war einfach kränkelnd und erschöpft und mein Zug fuhr erst in einer halben Stunde. Ich brachte die Energie einfach nicht mehr auf, wie eine Verrückte durch den Bahnhof zu rennen, wie ich es schon oft getan hatte. Irgendwie ist es bedenkenswert, dass ich erst jetzt runter bremsen kann, wo ich mir eine ziemlich üble Erkältung zugezogen habe. Vielleicht braucht es im Leben ja wirklich manchmal einen "Crash", damit man wieder merkt, was im Leben wichtig ist.
Wenn ich die Leute hier am Bahnhof rennen sehe, frage ich mich, weshalb sie das tun. Eine halbe Stunde früher zu Hause? Lohnt sich das, wenn man völlig gestresst zu Hause ankommt? Oder rennen sie vor den eigenen Gefühlen davon? Glaub mir, vor denen kann man nicht davon rennen, die holen einen immer ein. Immer. Dabei gäbe es vielleicht den einen oder anderen Moment, der einem den Feierabend versüssen könnte. Gerade in der Weihnachtszeit gibt es wunderschöne Lichterstimmungen. Wieso nicht einmal einen Moment anhalten und sie geniessen?
Dienstag, 13. November 2012
Das gute Karma stärken
Manchmal sitzt am im Büro und würde am liebsten jedem Schmerzen zufügen, der es wagt, einen anzusprechen. Man arbeitet gerade an einer komplexen Aufgabe und alle fünf Minuten redet einer dazwischen. Selig sind die, die ein Büro mit abschliessbarer Tür haben. Ist bei mir leider nicht der Fall - mein Büro hat überhaupt keine Tür. Single-Tasking statt Multitasking? Das wäre überhaupt kein Problem, gäbe es da nicht die lieben KollegInnen und vor allem den Chef.
Was tut man in so einem Fall? Wir wissen ja alle, dass das miese Karma sich ausbreitet und einem den ganzen Tag (die ganze Woche/das ganze Jahr) zur Hölle machen kann. Mein Rat für diesen Fall: eine Pause am Schreibtisch.
Musik: hilft gegen das ständige Telefonklingeln, die Gespräche der KollegInnen. Einfach mal für drei oder vier Minuten einen Song einlegen und abschalten. Dauerberieselung ist nicht zu empfehlen, da die Konzentration zu stark darunter leidet.
Ferien: richtige Ferien wären natürlich etwas Schönes. Wenn das nicht möglich ist: die alten Ferienfotos auf Facebook durchschauen, nach früheren Ferienorten googeln und für drei Minuten abtauchen in die Erinnerungen an den Salzgeruch, den Wind und das gute Essen.
Inspiration: hilft gegen Motivationsmangel. Erinnere dich daran, was deine Ziele sind, beruflich oder privat - hole dir eine Dosis Inspiration aus dem Netz. Seien es Videos, Artikel oder Podcasts. Erinnere dich daran, weshalb du existiert, was dich antreibt, was dich morgens voller Energie aus dem Bett springen lässt. Aber besser nicht länger als fünf Minuten - sonst verdirbt der Ärger mit dem Chef das ganze gute Karma wieder ;-).
So, und falls jetzt jemand von euch noch weitere Tipps auf Lager für ein gutes Karma hat, bin ich gespannt.
Was tut man in so einem Fall? Wir wissen ja alle, dass das miese Karma sich ausbreitet und einem den ganzen Tag (die ganze Woche/das ganze Jahr) zur Hölle machen kann. Mein Rat für diesen Fall: eine Pause am Schreibtisch.
Musik: hilft gegen das ständige Telefonklingeln, die Gespräche der KollegInnen. Einfach mal für drei oder vier Minuten einen Song einlegen und abschalten. Dauerberieselung ist nicht zu empfehlen, da die Konzentration zu stark darunter leidet.
Ferien: richtige Ferien wären natürlich etwas Schönes. Wenn das nicht möglich ist: die alten Ferienfotos auf Facebook durchschauen, nach früheren Ferienorten googeln und für drei Minuten abtauchen in die Erinnerungen an den Salzgeruch, den Wind und das gute Essen.
Inspiration: hilft gegen Motivationsmangel. Erinnere dich daran, was deine Ziele sind, beruflich oder privat - hole dir eine Dosis Inspiration aus dem Netz. Seien es Videos, Artikel oder Podcasts. Erinnere dich daran, weshalb du existiert, was dich antreibt, was dich morgens voller Energie aus dem Bett springen lässt. Aber besser nicht länger als fünf Minuten - sonst verdirbt der Ärger mit dem Chef das ganze gute Karma wieder ;-).
So, und falls jetzt jemand von euch noch weitere Tipps auf Lager für ein gutes Karma hat, bin ich gespannt.
Montag, 22. Oktober 2012
Winzige Schritte auf dem Weg zum sauberen Geschirr
Nach einiger Zeit des Stresses sieht meine Wohnung aus wie nach einem Anschlag. Ungewaschenes Geschirr stapelt sich, Zeitschriften, die gelesen werden wollen, Rechnungen, die bezahlt werden wollen, die Krümel auf dem Fussboden sind so unzählbar viele wie die Sterne am Himmel. Es macht keinen Spass mehr, nach Hause zu kommen.
Bei solchen Gelegenheiten wird mir bewusst: jeder Gegenstand benötigt meine Aufmerksamkeit. Jeder Gegenstand will irgendwo platziert werden, will abgestaubt oder sortiert werden. Ich kann in diesem Chaos nicht mehr denken. Es ist, als hätte sich das dreckige Geschirr nicht in meiner Küche, sondern in meinem Gehirn aufgestapelt. Und der Berg an Arbeit (in diesem Fall sogar visuell sichtbar) scheint unendlich gross. Wenn ich dann mal Zeit habe, dann werde ich, ja, dann werde ich sogar ganz sicher die Wohnung blitzblank sauber putzen. Wenn.
Ich habe kürzlich das "Wenn" mal gestrichen und mir gesagt: ich packe einfach das nächste an, was mir gerade auffällt. Es ist ungeheuerlich, wie viel ordentlicher eine Wohnung aussieht, wenn sie frisch gestaubsaugt ist. Und wie viel mehr Lust es bereitet, eine saubere Wohnung auch sauber zu halten. Und wie viel besser man denken kann, wenn man das Gehirn nicht ständig dazu benutzen muss, um einen freien Platz auf der Spülablage zu finden oder vor dem Kochen abzuwaschen, weil einem langsam das saubere Besteck ausgeht.
Deshalb mein aktuelles Motto: Fang mit einem winzigen Schritt an.
Bei solchen Gelegenheiten wird mir bewusst: jeder Gegenstand benötigt meine Aufmerksamkeit. Jeder Gegenstand will irgendwo platziert werden, will abgestaubt oder sortiert werden. Ich kann in diesem Chaos nicht mehr denken. Es ist, als hätte sich das dreckige Geschirr nicht in meiner Küche, sondern in meinem Gehirn aufgestapelt. Und der Berg an Arbeit (in diesem Fall sogar visuell sichtbar) scheint unendlich gross. Wenn ich dann mal Zeit habe, dann werde ich, ja, dann werde ich sogar ganz sicher die Wohnung blitzblank sauber putzen. Wenn.
Ich habe kürzlich das "Wenn" mal gestrichen und mir gesagt: ich packe einfach das nächste an, was mir gerade auffällt. Es ist ungeheuerlich, wie viel ordentlicher eine Wohnung aussieht, wenn sie frisch gestaubsaugt ist. Und wie viel mehr Lust es bereitet, eine saubere Wohnung auch sauber zu halten. Und wie viel besser man denken kann, wenn man das Gehirn nicht ständig dazu benutzen muss, um einen freien Platz auf der Spülablage zu finden oder vor dem Kochen abzuwaschen, weil einem langsam das saubere Besteck ausgeht.
Deshalb mein aktuelles Motto: Fang mit einem winzigen Schritt an.
Mittwoch, 8. August 2012
Sendung auf Arte
In den nächsten sieben Tagen kann man hier eine Sendung zum Thema Plastikmüll anschauen - ist wirklich sehenswert: http://www.arte.tv/de/Sehen-Sie-die-Sendungen-_28wieder_29/6778730,CmC=6846342.html
Donnerstag, 19. Juli 2012
Wie man lernt, langsam zu gehen
Gestern war ich wie üblich im Multitasking-Modus. Aus der kleinen innerstädtischen Seilbahn raus, die Treppe runter... leider nicht gegangen, sondern gefallen, weil ich gleichzeitig auf meinem iPhone etwas tippte. Der Fuss tat extrem weh, ich konnte kaum mehr darauf stehen. In der Notaufnahme des Spitals erfuhr ich dann, dass es sich um ein mindestens gezerrtes, eventuell auch gerissenes Band im Sprunggelenk handle. Offenbar sei diese Verletzung bei ihnen an der Tagesordnung. Resultat: eine Woche ruhig stellen mit Krücken, fünf Wochen eine Art Gipsschiene tragen. Wer einmal Krücken hatte, weiss: man geht damit relativ langsam im Vergleich zu der Vortbewegung mit zwei Beinen (jedenfalls, wenn man nicht gerade mit kräftigen Oberarmmuskeln ausgestattet ist). Während man zuvor mal "eben schnell" was aus der Küche holen konnte, wird diese Aktion jetzt zu einer grösseren Wanderung, die gut geplant sein will. Will man nicht nur etwas aus der Küche holen, sondern noch etwas dahin bringen, sollte man sich das vorher überlegen. Was aber das Erstaunlichste ist: Multitasking wird beinahe unmöglich. Nachdenken während des "Gehens" tut man automatisch nicht mehr, weil das Gehen die ganze Aufmerksamkeit beansprucht. Man lebt ständig im Hier und Jetzt. Das bedeutet aber nicht, dass sich jetzt jeder mal eben die Treppe runter stürzen sollte, um im Alltag langsamer und bewusster zu leben. Dafür gibt es weniger schmerzhafte Methoden wie Meditation oder auf Multitasking zu verzichten.
Die ganze Geschichte hat mich dazu gebracht, über die Rolle der Technologie nachzudenken. Im Alltag erfüllt die Technologie eine ähnliche Funktion wie ein Schnuller für das Baby. Ist es unzufrieden, hilft der Schnuller dagegen, ist es traurig, braucht es seinen Schnuller. Muss man 5min warten und kommt deswegen leichte Unzufriedenheit/Langeweile auf: Smartphone zücken. Nervt einen im Zug der telefonierende Nachbar: Smartphone zücken und Musik rein. Hat man zu Hause einen leichten Anflug von Langeweile und regnet es draussen: Laptop, Fernseher, alles dient als Schnuller gegen die innere Unzufriedenheit. Leider entfernt man sich dadurch auch immer mehr von der Realität. Auf der Strasse verpassen wir spannend aussehende Menschen, den leichten Geruch nach Schweiss im Bus oder das Gefühl der Langeweile, dem ein plötzlicher Geistesblitz folgt, weil unser Gehirn beim Ausruhen plötzlich kreativ wird. Nicht zu vergessen die spontanen Gespräche, die entstehen könnten. Normalerweise wirkt jemand mit dem Smartphone in der Hand recht abweisend.
Zu Hause wäre dann eher die Frage, ob Technologie die einzige Freizeitbeschäftigung bleiben muss. Am Laptop oder vor dem Fernseher vergessen wir die Zeit und plötzlich sind zwei Stunden vorbei, die wir vielleicht anders nutzen wollten. Es hilft, zwischendurch einfach mal bewusst Zeiten einzuplanen, in denen man raus geht, Sport macht, Bastelt, Musik macht oder ein Brettspiel aus der Kindheit wieder aufleben lässt. Das Leben ist zu kurz, um es ständig vor einem Bildschirm zu verbringen.
Und vielleicht noch eine These zum Schluss: das Leben bremst einen irgendwann gezwungenermassen aus, wenn man nicht selber bremst. Mein Unfall ist passiert, weil ich viel zu viel Tempo drauf hatte. Ich hatte mir an dem Tag keine Minute gegönnt, um mich in aller Ruhe wahrzunehmen oder um einfach mal dazusitzen und meine Umgebung zu beobachten. Arbeit, dann Einkäufe, rasch zur Bibliothek... Der "rasche" Ausflug dauerte dann zwei Stunden länger als normal. Dasselbe kann auch passieren, wenn man sich total überarbeitet und irgendwann mit der Grippe im Bett landet. Ausgeknockt.
"Pausen machen" heisst die Lösung.
Mittwoch, 11. Juli 2012
Wie ich (beinahe) Vegetarierin wurde
Es war anfangs nur ein Experiment. Ich wollte einmal einen Monat lang ohne Fleisch auskommen. Einerseits, um ein wenig abzunehmen, andererseits, um einfach mal zu sehen, was dann passiert. Vorher informierte ich mich gut darüber, wie man sich ernähren muss, damit man trotzdem genug Eiweiss und Eisen hat (was beides im Fleisch reichlich vorhanden ist). Während dieser vier Wochen entdeckte ich Erstaunliches. Nach etwa einer Woche war diese innere Gier nach Fleisch weg. Weil ich mich nicht mehr auf meine Portion "Schnipo" (Schnitzel und Pommes) verlassen konnte, musste ich neue Speisen ausprobieren. Dabei fiel mir auf, dass in einer Mensa vier von fünf Menüs Fleisch enthalten. (Was ich übertrieben finde.) Und noch weiter fiel mir auf, was ich bisher alles für köstliche Gerichte grosszügig ignoriert hatte. Linsen, Tofu (ja, auch der kann lecker sein, besonders der geräucherte), Salate... es ging eine völlig neue Welt auf.
Anschliessend kehrte ich wieder zum Fleischkonsum zurück. Aber es war nicht mehr so exzessiv wie vorher. Ich hatte genügend Alternativen kennengelernt.
Inzwischen esse ich praktisch gar kein Fleisch mehr. Gerade gestern kam im Schweizer Fernsehen ein Bericht über die teilweise grausamen Haltungsbedingungen von Hühnern beim Billigfleisch. Ich gucke nicht bei meinen Freunden auf den Teller und sage: das solltest du nicht essen. Das muss jeder für sich entscheiden. Aber ich für mich kann es nicht verantworten, dass ich diese Haltungsbedingungen von Tieren mitfinanziere. Wenn ich in einem Restaurant klar deklariert habe, dass das Fleisch z.B. aus einem hiesigen Bauernhof mit guten Haltungsbedingungen stammt, mache ich auch mal eine Ausnahme. Manchmal ist das gar nicht nötig. Unsere Vorfahren haben vielleicht einmal die Woche Fleisch gegessen, wenn sie wohlhabend waren. Ich hab zeitenweise sogar täglich Fleisch gegessen und ich bin sicherlich nicht die Einzige.
Ein Freund schmunzelt immer wieder über mich, wenn ich versuche, möglichst wenig Abfall zu produzieren oder eben kein Fleisch esse. Weil er sagt, dass das in der grossen Masse sowieso keine Rolle spielt. Vielleicht tut es das tatsächlich nicht. Aber ich weiss, dass ich für mich das Richtige tue - und das ist wichtig. Wenn nur ein Huhn weniger ein so beschissenes Leben führen musste, weil ich darauf verzichtet habe, dann ist es mir das wert (entschuldigt die Ausdrucksweise).
Anschliessend kehrte ich wieder zum Fleischkonsum zurück. Aber es war nicht mehr so exzessiv wie vorher. Ich hatte genügend Alternativen kennengelernt.
Inzwischen esse ich praktisch gar kein Fleisch mehr. Gerade gestern kam im Schweizer Fernsehen ein Bericht über die teilweise grausamen Haltungsbedingungen von Hühnern beim Billigfleisch. Ich gucke nicht bei meinen Freunden auf den Teller und sage: das solltest du nicht essen. Das muss jeder für sich entscheiden. Aber ich für mich kann es nicht verantworten, dass ich diese Haltungsbedingungen von Tieren mitfinanziere. Wenn ich in einem Restaurant klar deklariert habe, dass das Fleisch z.B. aus einem hiesigen Bauernhof mit guten Haltungsbedingungen stammt, mache ich auch mal eine Ausnahme. Manchmal ist das gar nicht nötig. Unsere Vorfahren haben vielleicht einmal die Woche Fleisch gegessen, wenn sie wohlhabend waren. Ich hab zeitenweise sogar täglich Fleisch gegessen und ich bin sicherlich nicht die Einzige.
Ein Freund schmunzelt immer wieder über mich, wenn ich versuche, möglichst wenig Abfall zu produzieren oder eben kein Fleisch esse. Weil er sagt, dass das in der grossen Masse sowieso keine Rolle spielt. Vielleicht tut es das tatsächlich nicht. Aber ich weiss, dass ich für mich das Richtige tue - und das ist wichtig. Wenn nur ein Huhn weniger ein so beschissenes Leben führen musste, weil ich darauf verzichtet habe, dann ist es mir das wert (entschuldigt die Ausdrucksweise).
Sonntag, 8. Juli 2012
Plastic Garbage Workshop
Ich war beim Workshop in Zürich dabei. Alexandra Klobouk, eine Illustratorin, war die Leiterin des Kurses. Wir hatten den eigenen Plastik- und Papiermüll mitgebracht und standen dann vor der Aufgabe, daraus eine Collage zu machen, die die "utopische Apokalypse" in einigen hundert Jahren widerspiegelt. Mutierte Plastikmonster, eine neue Plastikwelt, plastifizierte Menschen - alles konnte dabei sein. Ich habe einen alten Rucksack mitgenommen, an dem der Reissverschluss kaputt ist. Eigentlich hatte ich den hier liegen, um ihn bald mal zu entsorgen. Der gerippte Stoff vom Rückenpolster erwies sich allerdings als genialer Werkstoff - zum bemalen und aufkleben, aber auch zum Stempeln. Der wäre in der Müllverbrennung gelandet. Dabei hat es vermutlich noch unzählige Teile daran, die sich auf die eine oder andere Art wiederverwerten lassen.
Vielleicht ist das nicht jedermanns und jederfraus Sache, aber wer Spass am Basteln oder an künstlerischen Tätigkeiten hat, sollte sowas unbedingt auch mal probieren. Aber man kann aus Müll nicht nur Kunst machen. Am 21. Juli findet ein weiterer Kurs statt, in dem gezeigt wird, wie man aus Plastiksäcken etc. brauchbare Gegenstände wie Taschen, Etuis etc. macht: http://www.plasticgarbageproject.org. Wer dieses Mal noch nicht dabei war - ich kann es nur jedem empfehlen.
Vielleicht ist das nicht jedermanns und jederfraus Sache, aber wer Spass am Basteln oder an künstlerischen Tätigkeiten hat, sollte sowas unbedingt auch mal probieren. Aber man kann aus Müll nicht nur Kunst machen. Am 21. Juli findet ein weiterer Kurs statt, in dem gezeigt wird, wie man aus Plastiksäcken etc. brauchbare Gegenstände wie Taschen, Etuis etc. macht: http://www.plasticgarbageproject.org. Wer dieses Mal noch nicht dabei war - ich kann es nur jedem empfehlen.
Donnerstag, 5. Juli 2012
Tipp für Zürich
Für diejenigen, die in der Schweiz wohnen, hier einen kleinen Tipp - es gibt samstäglich tolle Workshops zum Thema Abfallwiederverwertung: www.plasticgarbageproject.org.
Mittwoch, 20. Juni 2012
Die Kunst der Entscheidung
Ich bin gerade in einem gestalterischen Vorkurs und werde danach an einer Kunstfachhochschule studieren. Kürzlich ist mir aufgefallen, dass die minimalistischen Prinzipien auch hier greifen. Ich hab sie mal etwas allgemeiner formuliert, damit sie möglichst universell anwendbar sind:
Material sparen. Man braucht zwangsläufig jede Menge Fehlversuche und Papier, wenn man z.B. malt oder zeichnet. Hier kann man nicht sparen. Farben kann man sparen, indem man zumindest auf der Palette nicht grosszügig anmischt, um sie anschliessend drei Tage eintrocknen zu lassen (ist mir auch schon passiert). Manchmal hilft es, auf ganz normalem Papier zu arbeiten statt z.B. auf teurem Japanpapier. Man ist weniger gehemmt.
"Verdammt, ich kann das nicht! Ich bin keine Künstlerin! Ich sitze hier vor 10 Papiersorten und dann muss ich mich noch entscheiden, womit ich male! Acrylfarbe, Ölfarbe, Gouache, Aquarell, Airbrush, Tusche... Es ist zum Haareausreissen!"
"Ich bin total überfordert mit diesem Angebot an Techniken. Heute habe ich Lust darauf, mit Aquarell zu malen. Ich werde mal diese Nass-in-Nass-Technik ausprobieren. Vor meiner Nase steht gerade eine Flasche Mineralwasser. Malen wir doch einfach die."
Natürlich ergeben sich ganz tolle Bilder, wenn man unterschiedliche Techniken mischt. Aber an irgendeinem Punkt muss ich eine Entscheidung treffen - sonst sitze ich am Ende frustriert vor dem Fernseher, statt zu malen.
Nur so viel wie nötig
Wie oft habe ich mich hingesetzt und versucht, das perfekte Kunstwerk zu erschaffen. Und musste die Lehrerin sagen: "Du versuchst das viel zu kompliziert. Nimm nur etwas Kleines, etwas ganz Einfaches, und bau darauf auf." Als Anfängerin kann man nicht Farben, Formen, Strukturen und was weiss ich alles gleichzeitig kontrollieren. Komplexe Ideen sind auch meistens die, die nicht funktionieren oder nie so gut aussehen, wie einfache. Statt gleich ein grossartiges Bild zu malen - wieso nicht einfach immer Farbklänge mit 3-4 Farben zusammenstellen und schauen, welche Farbkombinationen zusammen welche Wirkung erzielen? Oder drei Farbtupfer und zu jedem einen kurzen Text - daraus entsteht bereits eine Geschichte. Manchmal braucht man so wenig, um etwas Tolles herzustellen.Material sparen. Man braucht zwangsläufig jede Menge Fehlversuche und Papier, wenn man z.B. malt oder zeichnet. Hier kann man nicht sparen. Farben kann man sparen, indem man zumindest auf der Palette nicht grosszügig anmischt, um sie anschliessend drei Tage eintrocknen zu lassen (ist mir auch schon passiert). Manchmal hilft es, auf ganz normalem Papier zu arbeiten statt z.B. auf teurem Japanpapier. Man ist weniger gehemmt.
Reduziere Überflüssiges
Manchmal hilft es, die eigenen Möglichkeiten zu reduzieren. Schauen wir uns folgende Szenarien an:"Verdammt, ich kann das nicht! Ich bin keine Künstlerin! Ich sitze hier vor 10 Papiersorten und dann muss ich mich noch entscheiden, womit ich male! Acrylfarbe, Ölfarbe, Gouache, Aquarell, Airbrush, Tusche... Es ist zum Haareausreissen!"
"Ich bin total überfordert mit diesem Angebot an Techniken. Heute habe ich Lust darauf, mit Aquarell zu malen. Ich werde mal diese Nass-in-Nass-Technik ausprobieren. Vor meiner Nase steht gerade eine Flasche Mineralwasser. Malen wir doch einfach die."
Natürlich ergeben sich ganz tolle Bilder, wenn man unterschiedliche Techniken mischt. Aber an irgendeinem Punkt muss ich eine Entscheidung treffen - sonst sitze ich am Ende frustriert vor dem Fernseher, statt zu malen.
Mehr von dem, was wichtig ist
Ich muss unbedingt mal ein T-Shirt selber nähen, das ist doch cool, wenn man den Stoff *und* den Schnitt selber wählen kann. Vielleicht kann ich irgendwann meine eigene Mode kreieren. das wäre so cool!
Ich möchte wissen, wie die früher gekocht haben. Also suche ich mir ein historisches Rezeptbuch heraus. Da hat es Rezepte, auf die wäre ich nie gekommen! Und die sättigen auch noch super! Muss ich sofort alle kochen.
Für meine Malerei brauche ich mal einen Ablagetisch. Wieso designe ich nicht gleich selber einen. Das ist doch wundervoll - Möbel selber bauen! Und irgendwann habe ich eine Wohnung mit Original self-made Designer-Möbeln! Wow!
Äh... War da nicht noch was? Stimmt! Ich wollte eigentlich mehr malen, weitere Projekte starten, damit ich mein Portfolio füllen kann, damit sie mich dann an der Kunstfachhochschule auch nehmen. Das wird hart. Ich muss echt gut sein, damit die mich nehmen. Hatte ich irgendwie verdrängt.
Noch etwas, das Entscheidungen erfordert. Ich bin ein Ideen-Messie. Am Ende bin ich total überfordert mit den vielen Ideen und hab gar keine Zeit mehr für irgendwas. Alles, was ich tue, passiert nur noch "häppchenweise", denn für eine einzelne Sache bleibt gar nicht mehr so viel Zeit. In meinem Tagesplan sieht es aus wie in einer vollgestopften U-Bahn. Ich könnte ja etwas verpassen.
Am Ende verpasse ich jede Menge. Wenn ich wieder am geistigen "Ausmisten" bin, merke ich, wie unglaublich befriedigend es ist, ein paar Stunden an derselben Sache zu arbeiten. Am Ende wirklich ein Ergebnis zu haben, nicht nur kleine "Häppchen".
Entscheidungen sind eine verdammt schwierige Sache. Aber wenn man sich nicht entscheidet, trifft man auch eine Entscheidung. Passivität. Das Leben wird zugemüllt und am Ende bleiben nur noch Häppchen übrig statt einer richtigen Mahlzeit.
Montag, 11. Juni 2012
Multitasking beim Essen - ein neuer Entschluss
Fernsehen zur Mahlzeit ist bei mir zur Routine geworden. Mit dieser Routine habe ich jetzt eine Woche lang für eine Mahlzeit am Tag gebrochen. Am Abend des dritten Tages bin ich wirklich erschrocken. Erschrocken darüber, wie schnell ich mich langweile.
Durch das Fernsehen wird die Realität geradezu grau und langweilig. Kein Wunder. Im Alltag gibt es keine Schiessereien und relativ selten Leichen und Hintergrundmusik läuft eigentlich auch nur im Supermarkt. Ich beginne langsam zu verstehen, was ich für das Fernsehen aufgebe. Es ist nicht nur die Zeit, in der ich vor der Glotze sitze. Es ist auch die Zeit, in der ich bewusst leben könnte - und die für mich stattdessen zum grauen Alltag wird.
Es ist fast, als wären wir tatsächlich in der Matrix und würden unseren Körper, mit Schläuchen und Drähten mit der Technik vernetzt, gar nicht mehr wahrnehmen. Nur, dass man in der Matrix immer noch aktiv etwas tun kann. Im Fernsehen passiert alles nach Skript. Wer schon einmal zwei Spielfilme nacheinander geschaut hat, weiss, wie es sich hinterher anfühlt. Als wäre das Gehirn zu Brei geworden. Ich bin dann total erschlagen, fast ein wenig orientierungslos und verdammt passiv. Und das Gefühl ist nicht besonders schön.
Ich habe mir immer geschworen, dass ich mit achtzig Jahren nicht das Gefühl haben will, das Leben verpasst zu haben. Ich will sagen können: hey, ich hatte ein schwieriges, aber erfülltes Leben und es ist okay, dass ich jetzt vielleicht bald sterben werde. Aber genau das ist das Fernsehen - verpasste Zeit. Zeit, die ich in der Matrix verbracht habe statt in meinem eigenen Körper. Werde ich irgendwann achtzig Jahre alt sein und mir sagen müssen: eigentlich habe ich die letzten 70 Jahre nur ferngesehen...?
Es gibt drei Arten von Nicht-Fernsehern. Gewisse sind so aktiv, dass sie schlicht keine Zeit haben, um fernzusehen. Andere sind aus Überzeugung dagegen. Und dann gibt es diejenigen, die suchtgefährdet sind und deswegen gar nicht mehr schauen. Ich würde mich zur letzteren Sorte zählen. Ich schau nur mal kurz ins Online-Fernsehen und dann bleibe ich hängen. Und kann nicht mehr aufhören.
Deshalb habe ich einen Entschluss gefasst: Ich trete dem Club der Nichtfernseher bei. Für ein Jahr. Ab heute. Spielfilme werde ich mir nur anschauen, wenn ich sie gekauft habe. Da das bei grösserer Menge recht teuer werden kann, wird sich mein Konsum hier in Grenzen halten.
Da ich nur im Internet fernsehe, werde ich die entsprechenden Internetseiten sperren. (Hier gibt es eine Anleitung für den Mac, falls sich jemand ebenfalls dafür interessiert.) Ich freue mich auf eine fernsehfreie Zeit. Die leere Zeit werde ich mit viel kreativen Tätigkeiten füllen. Bestimmt hört Ihr das eine oder andere davon.
Durch das Fernsehen wird die Realität geradezu grau und langweilig. Kein Wunder. Im Alltag gibt es keine Schiessereien und relativ selten Leichen und Hintergrundmusik läuft eigentlich auch nur im Supermarkt. Ich beginne langsam zu verstehen, was ich für das Fernsehen aufgebe. Es ist nicht nur die Zeit, in der ich vor der Glotze sitze. Es ist auch die Zeit, in der ich bewusst leben könnte - und die für mich stattdessen zum grauen Alltag wird.
Es ist fast, als wären wir tatsächlich in der Matrix und würden unseren Körper, mit Schläuchen und Drähten mit der Technik vernetzt, gar nicht mehr wahrnehmen. Nur, dass man in der Matrix immer noch aktiv etwas tun kann. Im Fernsehen passiert alles nach Skript. Wer schon einmal zwei Spielfilme nacheinander geschaut hat, weiss, wie es sich hinterher anfühlt. Als wäre das Gehirn zu Brei geworden. Ich bin dann total erschlagen, fast ein wenig orientierungslos und verdammt passiv. Und das Gefühl ist nicht besonders schön.
Ich habe mir immer geschworen, dass ich mit achtzig Jahren nicht das Gefühl haben will, das Leben verpasst zu haben. Ich will sagen können: hey, ich hatte ein schwieriges, aber erfülltes Leben und es ist okay, dass ich jetzt vielleicht bald sterben werde. Aber genau das ist das Fernsehen - verpasste Zeit. Zeit, die ich in der Matrix verbracht habe statt in meinem eigenen Körper. Werde ich irgendwann achtzig Jahre alt sein und mir sagen müssen: eigentlich habe ich die letzten 70 Jahre nur ferngesehen...?
Es gibt drei Arten von Nicht-Fernsehern. Gewisse sind so aktiv, dass sie schlicht keine Zeit haben, um fernzusehen. Andere sind aus Überzeugung dagegen. Und dann gibt es diejenigen, die suchtgefährdet sind und deswegen gar nicht mehr schauen. Ich würde mich zur letzteren Sorte zählen. Ich schau nur mal kurz ins Online-Fernsehen und dann bleibe ich hängen. Und kann nicht mehr aufhören.
Deshalb habe ich einen Entschluss gefasst: Ich trete dem Club der Nichtfernseher bei. Für ein Jahr. Ab heute. Spielfilme werde ich mir nur anschauen, wenn ich sie gekauft habe. Da das bei grösserer Menge recht teuer werden kann, wird sich mein Konsum hier in Grenzen halten.
Da ich nur im Internet fernsehe, werde ich die entsprechenden Internetseiten sperren. (Hier gibt es eine Anleitung für den Mac, falls sich jemand ebenfalls dafür interessiert.) Ich freue mich auf eine fernsehfreie Zeit. Die leere Zeit werde ich mit viel kreativen Tätigkeiten füllen. Bestimmt hört Ihr das eine oder andere davon.
Mittwoch, 6. Juni 2012
Multitasking beim Essen: Tag 3
Heute habe ich beim Abendessen statt wie die letzten beiden Tage beim Frühstück auf jegliche Ablenkung verzichtet. Jegliche? Mein Gehirn findet dann plötzlich alles spannend, selbst die Werbung einer Modefirma, die hier bereit liegt, um ins Altpapier abtransportiert zu werden oder eine alte Quittung. Hauptsache, man muss nicht "nichts" tun. Ich kaue und mein Gehirn sagt "laaaaangweilig - will was zu tun kriegen!". Wenn dann dazu das (ausnahmsweise Fertigfood) Essen nicht besonders schmeckt, kriegt mein Gehirn offenbar schier einen Tobsuchtsanfall...
Für Träume ist es nie zu spät
Ich glaube fest daran, dass es in jedem Menschen einzigartige Wünsche gibt, die heraus wollen.
Eine Bekannte von mir hat eigentlich seit ihrer Jugend homosexuelle Neigungen. Sie wollte aber immer nur irgendwie "normal" sein. Deshalb hat sie geheiratet, mit ihrem Ehemann ein Haus gekauft und einen kleinen Sohn bekommen. Sie hat versucht, sich anzupassen. Für ihre Eltern, für ihre Freunde, für wen auch immer. Vielleicht für sich selbst. Um einfach "normal" zu sein. Und jetzt hat sie sich in eine Frau verliebt. Es mag unglaublich schwierig für sie werden, vielleicht zerbricht an diesem Wunsch wirklich eine Ehe - aber was ist eine Ehe wert, in der man sich wie im Gefängnis fühlt?
Ein Freund von mir braucht einen neuen Schrank. Er will die weissen Türen nehmen, weil er befürchtet, dass sein bester Freund die Nase rümpft über die hochglanz-verspiegelten Glastüren mit Chromstahlfassung. Dabei mag er genau diesen Stil. Ich hoffe noch, dass er sich trotzdem die Türen kauft, die er sich eigentlich wünscht.
Ich selbst habe ein Studium angefangen, weil mich mein damaliger Freund dazu überredet hat. Hauptfach Publizistik, Nebenfach Informatik. Erst nach sieben Jahren erkannte ich, weshalb ich so unfähig war, zu studieren, weshalb jede einzelne Prüfung so ein unglaublicher Kampf war! Ich wollte das überhaupt nicht. Ich war nicht mit dem Herzen dabei. Informatik studierte ich, um meinem Vater einen Gefallen zu tun. Dabei hatte ich damals mit 19 Schriftstellerin werden wollen...
Vor einem Jahr ging ich dann auf Berufssuche. Bis dahin hatte ich meinen Berufswunsch im Wochentakt gewechselt. Ich schrieb alles auf eine Liste, aber wirklich alles, was mich auch nur im Ansatz interessierte. Unabhängig davon, ob ich das kann oder nicht. Und irgendwie gelang ich über Umwege zu der Webseite einer ansässigen Kunstfachhochschule. Da war dieses "Kribbeln" in meinem Bauch. Mir blieb die Luft weg. "Wenn das tatsächlich sein könnte... aber die nehmen mich doch sowieso nicht...", dachte ich. Andererseits kostete die Anmeldegebühr für den Vorkurs einen läppischen Hunderter. Fünf Wochen vor Anmeldeschluss rang ich mich durch und arbeitete mir die Finger wund.
Sie haben mich angenommen. Ich habe in meiner Kindheit nicht besonders viel gezeichnet oder sonst irgendetwas Künstlerisches gemacht. Ich hab immer nur Texte geschrieben. Aber je länger ich zeichne, desto mehr merke ich, dass es sich genauso anfühlt wie das Schreiben. Ich bin einfach glücklich. Ob ich Illustratorin, Künstlerin oder Kunstlehrerin werde, habe ich noch nicht komplett entschieden.
Mit neunzehn habe ich einen Fehler gemacht. Der Berufsberater hat mich gefragt, ob eine Ausbildung als Schriftstellerin in Frage kommen würde. Ich habe damals mit nein geantwortet. Ich hatte zu viel Angst. Dass ich finanziell nicht würde überleben können. Dass meine Eltern entsetzt sein würden. Ich bin froh, dass ich jetzt den Mut habe, endlich das zu tun, was ich tun will. An der Universität fühlte ich mich tot, die ganze graue Theorie erstickte mich. Statt dessen fange ich an, zu sehen. Wohin ich gehe, ich sehe Farben und Formen, ich sehe Geschichten, die es zu erzählen gibt. Ich erzähle immer noch Geschichten wie damals als Kind - nur diesmal in Bildern. Ich liebe es, Menschen mit meinen Erzählungen zu berühren. Und immer, wenn ich auf jemanden treffe, der sich seine eigenen Wünsche versagt - aus welchen Gründen auch immer - möchte ich diese Wünsche herauskitzeln, so lange, bis sie ihn oder sie richtig plagen, bis sie mitten in der Nacht mit geröteten Wangen aufwachen und nur noch fieberhaft an diesen einen Traum denken können. Man muss dafür nicht alles wegwerfen, auch ich arbeite nebenher im Informatik-Bereich, um meine Brötchen zu verdienen. Manchmal reicht es, wenn man den grossen Zeh ins Wasser streckt - und ehe man es sich versieht, schwimmt man davon.
Eine Bekannte von mir hat eigentlich seit ihrer Jugend homosexuelle Neigungen. Sie wollte aber immer nur irgendwie "normal" sein. Deshalb hat sie geheiratet, mit ihrem Ehemann ein Haus gekauft und einen kleinen Sohn bekommen. Sie hat versucht, sich anzupassen. Für ihre Eltern, für ihre Freunde, für wen auch immer. Vielleicht für sich selbst. Um einfach "normal" zu sein. Und jetzt hat sie sich in eine Frau verliebt. Es mag unglaublich schwierig für sie werden, vielleicht zerbricht an diesem Wunsch wirklich eine Ehe - aber was ist eine Ehe wert, in der man sich wie im Gefängnis fühlt?
Ein Freund von mir braucht einen neuen Schrank. Er will die weissen Türen nehmen, weil er befürchtet, dass sein bester Freund die Nase rümpft über die hochglanz-verspiegelten Glastüren mit Chromstahlfassung. Dabei mag er genau diesen Stil. Ich hoffe noch, dass er sich trotzdem die Türen kauft, die er sich eigentlich wünscht.
Ich selbst habe ein Studium angefangen, weil mich mein damaliger Freund dazu überredet hat. Hauptfach Publizistik, Nebenfach Informatik. Erst nach sieben Jahren erkannte ich, weshalb ich so unfähig war, zu studieren, weshalb jede einzelne Prüfung so ein unglaublicher Kampf war! Ich wollte das überhaupt nicht. Ich war nicht mit dem Herzen dabei. Informatik studierte ich, um meinem Vater einen Gefallen zu tun. Dabei hatte ich damals mit 19 Schriftstellerin werden wollen...
Vor einem Jahr ging ich dann auf Berufssuche. Bis dahin hatte ich meinen Berufswunsch im Wochentakt gewechselt. Ich schrieb alles auf eine Liste, aber wirklich alles, was mich auch nur im Ansatz interessierte. Unabhängig davon, ob ich das kann oder nicht. Und irgendwie gelang ich über Umwege zu der Webseite einer ansässigen Kunstfachhochschule. Da war dieses "Kribbeln" in meinem Bauch. Mir blieb die Luft weg. "Wenn das tatsächlich sein könnte... aber die nehmen mich doch sowieso nicht...", dachte ich. Andererseits kostete die Anmeldegebühr für den Vorkurs einen läppischen Hunderter. Fünf Wochen vor Anmeldeschluss rang ich mich durch und arbeitete mir die Finger wund.
Sie haben mich angenommen. Ich habe in meiner Kindheit nicht besonders viel gezeichnet oder sonst irgendetwas Künstlerisches gemacht. Ich hab immer nur Texte geschrieben. Aber je länger ich zeichne, desto mehr merke ich, dass es sich genauso anfühlt wie das Schreiben. Ich bin einfach glücklich. Ob ich Illustratorin, Künstlerin oder Kunstlehrerin werde, habe ich noch nicht komplett entschieden.
Mit neunzehn habe ich einen Fehler gemacht. Der Berufsberater hat mich gefragt, ob eine Ausbildung als Schriftstellerin in Frage kommen würde. Ich habe damals mit nein geantwortet. Ich hatte zu viel Angst. Dass ich finanziell nicht würde überleben können. Dass meine Eltern entsetzt sein würden. Ich bin froh, dass ich jetzt den Mut habe, endlich das zu tun, was ich tun will. An der Universität fühlte ich mich tot, die ganze graue Theorie erstickte mich. Statt dessen fange ich an, zu sehen. Wohin ich gehe, ich sehe Farben und Formen, ich sehe Geschichten, die es zu erzählen gibt. Ich erzähle immer noch Geschichten wie damals als Kind - nur diesmal in Bildern. Ich liebe es, Menschen mit meinen Erzählungen zu berühren. Und immer, wenn ich auf jemanden treffe, der sich seine eigenen Wünsche versagt - aus welchen Gründen auch immer - möchte ich diese Wünsche herauskitzeln, so lange, bis sie ihn oder sie richtig plagen, bis sie mitten in der Nacht mit geröteten Wangen aufwachen und nur noch fieberhaft an diesen einen Traum denken können. Man muss dafür nicht alles wegwerfen, auch ich arbeite nebenher im Informatik-Bereich, um meine Brötchen zu verdienen. Manchmal reicht es, wenn man den grossen Zeh ins Wasser streckt - und ehe man es sich versieht, schwimmt man davon.
Montag, 4. Juni 2012
Multitasking beim Essen: Erster Tag
Für heute habe ich mir eine einfache Mahlzeit vorgenommen: das Frühstück. Fazit: ich kaue wie ein Soldat, der zwischen zwei Gefechten kurz was zu sich nimmt. Mechanisch, energisch und schnell. Nach anderthalb Brötchen hatte ich genug - kommt bei mir normalerweise selten vor. Aber das Erstaunlichste war: ich hab so wenig Zeit zum Essen gebraucht! Bei mir kann sich eine Mahlzeit bis zu einer Stunde (reine Essenszeit) ausdehnen, wobei ich vermutlich 15min davon esse und 45min davon schlicht und einfach abgelenkt bin. Dass Single-Tasking auch noch zeitsparend ist, war mir bisher nicht derart bewusst.
Sonntag, 3. Juni 2012
Multitasking beim Essen, die zweite
Leserin Elke hat sich meiner Aktion spontan angeschlossen, beim Essen auf andere Aktivitäten zu verzichten. Wie in meinem dortigen Kommentar nachzulesen ist, habe ich es nicht geschafft, eine Woche komplett auf Nebenbeschäftigungen zu verzichten.
Diese Experiment-Wochen sind ein sehr gutes Mittel, um Gewohnheiten zu ändern. Ich habe aber offensichtlich ein zu grosses Ziel gewählt. Eine ganze Woche gar nichts neben dem Essen zu tun, bedeutet, für mindestens 21 Mahlzeiten eine Gewohnheit zu brechen, jeden Tag dreimal. Ich halte Stille nicht besonders gut aus, wenn mein Tinnitus gerade wieder aktiv ist, werde ich nervös. Also werde ich das Ziel jetzt runter kürzen: Die kommende Woche werde ich mindestens eine Mahlzeit pro Tag ohne Ablenkung verbringen. Das darf notfalls auch mal ein Snack sein, ein Müsliriegel, den ich ganz bewusst esse. Hauptsache, mein Gehirn lernt langsam, dass es durchaus erträglich und auch positiv sein kann, ohne Dauerberieselung zu leben.
Diese Experiment-Wochen sind ein sehr gutes Mittel, um Gewohnheiten zu ändern. Ich habe aber offensichtlich ein zu grosses Ziel gewählt. Eine ganze Woche gar nichts neben dem Essen zu tun, bedeutet, für mindestens 21 Mahlzeiten eine Gewohnheit zu brechen, jeden Tag dreimal. Ich halte Stille nicht besonders gut aus, wenn mein Tinnitus gerade wieder aktiv ist, werde ich nervös. Also werde ich das Ziel jetzt runter kürzen: Die kommende Woche werde ich mindestens eine Mahlzeit pro Tag ohne Ablenkung verbringen. Das darf notfalls auch mal ein Snack sein, ein Müsliriegel, den ich ganz bewusst esse. Hauptsache, mein Gehirn lernt langsam, dass es durchaus erträglich und auch positiv sein kann, ohne Dauerberieselung zu leben.
Donnerstag, 3. Mai 2012
Hartes Brot ist nicht hart...
... kein Brot ist hart, lautet das Sprichwort. Ich würde es kürzen: Hartes Brot ist nicht hart. Kürzlich fiel mir auf, dass ich völlig selbstverständlich hart gewordenes Brot wegschmeisse. Ich bemühe mich zwar mit toasten etc., auch das alte Brot noch geniessen zu können, aber wenn es hart ist, kann man es wirklich nicht mehr essen. Oder?
Hier ein paar Verwendungszwecke für hartes Brot (Achtung: immer aufpassen, dass kein Schimmel dran ist):
Hier ein paar Verwendungszwecke für hartes Brot (Achtung: immer aufpassen, dass kein Schimmel dran ist):
- Paniermehl - einfach das Brot möglichst klein mahlen, raffeln oder mörsern
- Semmelknödel - da das Brot in Milch eingeweicht wird, wird es wieder weich
- Brotsuppe
- Croutons daraus machen - einfach Brot in etwas olivenöl und evtl. mit etwas Knoblauch anrösten
Sonntag, 29. April 2012
Minimalistisch Kochen
Minimalistisch Kochen klingt irgendwie nach knurrendem Magen. Was ich darunter verstehe, ist, möglichst natürliches Essen ohne Geschmacksverstärker und künstliche Aromen.
Fertignahrung mag praktisch sein, wenn es schnell gehen muss. Aber da gibt es ein Erdbeer-Joghurt, in dem keine einzige Erdbeere drin ist, nach einem Burger-und-Pommes-Menü hat man nach zwei Stunden schon wieder Hunger. Und irgendwann weiss unser Gaumen gar nicht mehr, wie eine echte Erdbeere schmeckt.
Wie lange braucht eine Fertigpizza? Etwa zwanzig Minuten? In zwanzig Minuten habe ich meine Spaghetti im Topf gekocht, dazu ein paar gehackte Tomaten mit Wasser und Olivenöl in einen Topf geworfen und erst noch einen Gurkensalat dazu gemacht. Wir haben verlernt, zu kochen.
Unsere Vorfahren kannten unglaubliche Reste-Verwertungsmechanismen. Ich war fasziniert, als ich davon gehört habe. Man kocht das Gemüse im Wasser und macht dazu ein Omelett. Das Gemüse wird gegessen, aus dem Wasser wird am nächsten Tag mit klein geschnittenem Omelett eine Suppe. Einmal kochen, zweimal essen. Ist doch genial!
Hier gibt es eine ganze Sammlung uralter Kochbücher gratis zum Download als pdf:
Wikisource
Wer keine Lust hat, sich durch die alten Schunken zu quälen, findet hier eine Fülle von leckeren Rezepten:
Chefkoch
Hier noch eine schweizer Zeitschrift, die immer mal wieder ein neues Rezept auf der Webseite hat:
Saison
Und wer der englischen Sprache mächtig ist, findet hier jede Menge gesunder Rezepte:
Thestonesoup
Burger aus Kichererbsen
Und zum Schluss noch ein geniales Gewürz, das ich immer mit meinen Linsenburgern verwende:
Baharat
Fertignahrung mag praktisch sein, wenn es schnell gehen muss. Aber da gibt es ein Erdbeer-Joghurt, in dem keine einzige Erdbeere drin ist, nach einem Burger-und-Pommes-Menü hat man nach zwei Stunden schon wieder Hunger. Und irgendwann weiss unser Gaumen gar nicht mehr, wie eine echte Erdbeere schmeckt.
Wie lange braucht eine Fertigpizza? Etwa zwanzig Minuten? In zwanzig Minuten habe ich meine Spaghetti im Topf gekocht, dazu ein paar gehackte Tomaten mit Wasser und Olivenöl in einen Topf geworfen und erst noch einen Gurkensalat dazu gemacht. Wir haben verlernt, zu kochen.
Unsere Vorfahren kannten unglaubliche Reste-Verwertungsmechanismen. Ich war fasziniert, als ich davon gehört habe. Man kocht das Gemüse im Wasser und macht dazu ein Omelett. Das Gemüse wird gegessen, aus dem Wasser wird am nächsten Tag mit klein geschnittenem Omelett eine Suppe. Einmal kochen, zweimal essen. Ist doch genial!
Hier gibt es eine ganze Sammlung uralter Kochbücher gratis zum Download als pdf:
Wikisource
Wer keine Lust hat, sich durch die alten Schunken zu quälen, findet hier eine Fülle von leckeren Rezepten:
Chefkoch
Hier noch eine schweizer Zeitschrift, die immer mal wieder ein neues Rezept auf der Webseite hat:
Saison
Und wer der englischen Sprache mächtig ist, findet hier jede Menge gesunder Rezepte:
Thestonesoup
Burger aus Kichererbsen
Und zum Schluss noch ein geniales Gewürz, das ich immer mit meinen Linsenburgern verwende:
Baharat
Dienstag, 27. Dezember 2011
Multitasking beim Essen
Ich bin die erste, die im Restaurant kritisch die Speisekarte durchleuchtet auf der Suche nach der perfekten Mahlzeit. Gut schmecken muss sie, kalorienarm sein und dann noch das "gewisse Etwas" haben, das meine Mahlzeiten im Alltag nicht haben. Ich bin die erste, die im Supermarkt allerlei leckere Kleinigkeiten zusammenkauft, um daraus etwas zauberhaftes zu kreieren. Ich bin ein Schleckmaul.
Und was tue ich? Ich setze mich vor meine köstliche Mahlzeit und klappe den Laptop auf. Youtube, Feeds, vielleicht auch die Tagesnachrichten - wozu immer ich Lust habe. Und dann transportiert meine Gabel mechanisch wie ein Schaufelbagger die Mahlzeiten zwischen der Basisstation Teller und meinem Mund hin und her. Mein Blick hängt gebannt am Geschehen. Kriegt sie ihn am Ende? Überlebt er es? Wer gewinnt die Bundesratswahlen?
Und wenn die Tagesschau zu Ende ist, wenn der Abspann vom Film erscheint, sitze ich vor meinem leeren Teller. Seit wann ist mein Teller schon leer? Ich weiss es nicht mehr. Das habe ich nicht mehr so ganz mitgekriegt. Mir ist schlecht, ich hab zu viel gegessen. Eigentlich wollte ich die Hälfte der Portion für morgen aufheben.
Ein Blick auf die Uhr. Ich erschrecke. Schon so spät? In Eile räume ich die Teller weg. Ich fühle mich gestresst und unzufrieden. Genauso gut hätte ich getrocknetes Brot essen können - es hätte keinen Unterschied gemacht.
Hier mal eine kleine Auflistung, wann wir gerne (ich eingeschlossen) Multitasking mit der zweitschönsten Sache der Welt betreiben:
- Essen beim Gehen, im Bus oder im Zug
- Essen vor dem Fernseher
- Essen mit technischen Gadgets (Laptop, Smartphone etc.)
- Tagesplanung während des Essens
- Grübeln, Sorgen machen während des Essens
Essen soll möglichst keine Zeit beanspruchen. Am besten Packung in die Mikrowelle, Mahlzeit raus und dann ab vor den Fernseher. Manche würden sich möglicherweise lieber per Infusion ernähren, als tatsächliches Essen zu sich zu nehmen. Als sei es ein lästiges Übel, als würde es uns von den wirklich wichtigen Dingen des Lebens abhalten.
Wenn man oder frau sich voll auf das Essen konzentrieren würde während des Essens, was würde dann passieren?
- Die Mahlzeit wird zu einer Pause im hektischen Alltag. Man geniesst die Mahlzeit, vergisst den Stress und die Sorgen für eine halbe oder ganze Stunde. Und kehrt anschliessend entspannt und erholt zur Arbeit zurück.
- Man isst gemässigter. Der Fernseher und die Gadgets halten einen davon ab, das eigene Sättigungsgefühl wahrzunehmen. Dadurch isst man sogar dann noch weiter, wenn man eigentlich schon genug hätte.
- Es braucht weniger "Seelenstreichler". Man hat ein gutes Essen genossen. Es braucht deshalb weniger schnell eine Süssigkeit, einen Kaffee oder ein neues Buch.
- Weniger Verdauungsprobleme. Beim bewussten Essen kauen wir die Mahlzeit besser - und besser gekautes Essen bedeutet weniger Arbeit für den Magen.
- Geniale Ideen. Archimedes fand seine gute Idee in der Badewanne. Ideen finden sich oft ein, wenn man entspannt ist - auf der Toilette, unter der Dusche oder eben beim Essen.
Morgen werde ich deshalb ein Experiment starten: eine Woche lang kein Multitasking während der Mahlzeiten. Ihr werdet von mir hören.
*Für die weniger technisch Versierten: eine Festplatte, die zwei "Gehirne" hat und dadurch erst in hohem Tempo multitaskingfähig wird.
Sklaven des Buches
Kennst du das auch? Man hat auf dem Nachttisch zwei oder drei halb gelesene Bücher. "Irgendwann lese ich die noch fertig", denkt man sich. Aber es passiert nie.
Sind wir die Sklaven unserer Bücher? Sind wir gezwungen, sie alle zu Ende zu lesen? Nein. Bücher sind für uns da. Wir können sie nutzen oder verwerfen. Vielleicht interessieren mich in einem Buch nur Kapitel 1, 3 und 5. Vielleicht finde ich Kapitel 6 und 7 langweilig. Aber ich habe für das Buch Geld ausgegeben, also darf ich es natürlich nicht nur zur Hälfte lesen. Als ob das Buch sein Geld nicht wert wäre, wenn ich nur die ersten drei Kapitel lese und diese Informationen mein Leben verändern. Dieses Argument klingt ungefähr so wie "Ich hab das Essen gekauft, also muss es jetzt auch gegessen werden" - egal, ob mir danach schlecht ist, weil ich zuviel gegessen habe.
Sonntag, 18. Dezember 2011
Visuelles Geklimper - viel Geklimper um nichts
Kürzlich habe ich die Ablage in meinem Badezimmer betrachtet. Da gibt es etwa 5 Utensilien, die ich regelmässig benutze - Makeup, Pinsel, Eyeliner und so weiter. Und dann gab es da noch mindestens 5 weitere Dinge, die ich nicht regelmässig benutze. Zwei Haarspangen, der Reserve-Eyeliner und so weiter. Vielleicht fragt jetzt jemand: Ja, ist das denn schlimm, wenn da noch ein paar Sachen stehen, die man halt gerade nicht benutzt? Ich habe da so meine Theorie zu diesem Thema. Angenommen, ich bin gerade am Schminken und suche den Eyeliner:
a) Mein Gehirn muss erst einmal 10 Sachen durchscannen und 8 davon als Nicht-Eyeliner ausschliessen. Anschliessend muss es noch auswählen, welcher der beiden identischen Stifte nun der Alte und welches der Neue ist.
b) Mein Gehirn scannt die übersichtliche Ablage ab und findet 4 Nicht-Eyeliner. Das übrig gebliebene Objekt ist das, was ich suche.
Wenn ich ein Chaos in meiner Wohnung habe, spüre ich regelrecht, wie ich nicht mehr klar denken kann. Ständig muss ich mich geistig durch meine Gegenstände wühlen, um etwas zu finden. Auf Dauer ist das nicht nur geistig anstrengend, sondern auch zeitintensiv, wenn man ständig suchen muss.
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