Ich war beim Workshop in Zürich dabei. Alexandra Klobouk, eine Illustratorin, war die Leiterin des Kurses. Wir hatten den eigenen Plastik- und Papiermüll mitgebracht und standen dann vor der Aufgabe, daraus eine Collage zu machen, die die "utopische Apokalypse" in einigen hundert Jahren widerspiegelt. Mutierte Plastikmonster, eine neue Plastikwelt, plastifizierte Menschen - alles konnte dabei sein. Ich habe einen alten Rucksack mitgenommen, an dem der Reissverschluss kaputt ist. Eigentlich hatte ich den hier liegen, um ihn bald mal zu entsorgen. Der gerippte Stoff vom Rückenpolster erwies sich allerdings als genialer Werkstoff - zum bemalen und aufkleben, aber auch zum Stempeln. Der wäre in der Müllverbrennung gelandet. Dabei hat es vermutlich noch unzählige Teile daran, die sich auf die eine oder andere Art wiederverwerten lassen.
Vielleicht ist das nicht jedermanns und jederfraus Sache, aber wer Spass am Basteln oder an künstlerischen Tätigkeiten hat, sollte sowas unbedingt auch mal probieren. Aber man kann aus Müll nicht nur Kunst machen. Am 21. Juli findet ein weiterer Kurs statt, in dem gezeigt wird, wie man aus Plastiksäcken etc. brauchbare Gegenstände wie Taschen, Etuis etc. macht: http://www.plasticgarbageproject.org. Wer dieses Mal noch nicht dabei war - ich kann es nur jedem empfehlen.
Sonntag, 8. Juli 2012
Donnerstag, 5. Juli 2012
Tipp für Zürich
Für diejenigen, die in der Schweiz wohnen, hier einen kleinen Tipp - es gibt samstäglich tolle Workshops zum Thema Abfallwiederverwertung: www.plasticgarbageproject.org.
Mittwoch, 20. Juni 2012
Die Kunst der Entscheidung
Ich bin gerade in einem gestalterischen Vorkurs und werde danach an einer Kunstfachhochschule studieren. Kürzlich ist mir aufgefallen, dass die minimalistischen Prinzipien auch hier greifen. Ich hab sie mal etwas allgemeiner formuliert, damit sie möglichst universell anwendbar sind:
Material sparen. Man braucht zwangsläufig jede Menge Fehlversuche und Papier, wenn man z.B. malt oder zeichnet. Hier kann man nicht sparen. Farben kann man sparen, indem man zumindest auf der Palette nicht grosszügig anmischt, um sie anschliessend drei Tage eintrocknen zu lassen (ist mir auch schon passiert). Manchmal hilft es, auf ganz normalem Papier zu arbeiten statt z.B. auf teurem Japanpapier. Man ist weniger gehemmt.
"Verdammt, ich kann das nicht! Ich bin keine Künstlerin! Ich sitze hier vor 10 Papiersorten und dann muss ich mich noch entscheiden, womit ich male! Acrylfarbe, Ölfarbe, Gouache, Aquarell, Airbrush, Tusche... Es ist zum Haareausreissen!"
"Ich bin total überfordert mit diesem Angebot an Techniken. Heute habe ich Lust darauf, mit Aquarell zu malen. Ich werde mal diese Nass-in-Nass-Technik ausprobieren. Vor meiner Nase steht gerade eine Flasche Mineralwasser. Malen wir doch einfach die."
Natürlich ergeben sich ganz tolle Bilder, wenn man unterschiedliche Techniken mischt. Aber an irgendeinem Punkt muss ich eine Entscheidung treffen - sonst sitze ich am Ende frustriert vor dem Fernseher, statt zu malen.
Nur so viel wie nötig
Wie oft habe ich mich hingesetzt und versucht, das perfekte Kunstwerk zu erschaffen. Und musste die Lehrerin sagen: "Du versuchst das viel zu kompliziert. Nimm nur etwas Kleines, etwas ganz Einfaches, und bau darauf auf." Als Anfängerin kann man nicht Farben, Formen, Strukturen und was weiss ich alles gleichzeitig kontrollieren. Komplexe Ideen sind auch meistens die, die nicht funktionieren oder nie so gut aussehen, wie einfache. Statt gleich ein grossartiges Bild zu malen - wieso nicht einfach immer Farbklänge mit 3-4 Farben zusammenstellen und schauen, welche Farbkombinationen zusammen welche Wirkung erzielen? Oder drei Farbtupfer und zu jedem einen kurzen Text - daraus entsteht bereits eine Geschichte. Manchmal braucht man so wenig, um etwas Tolles herzustellen.Material sparen. Man braucht zwangsläufig jede Menge Fehlversuche und Papier, wenn man z.B. malt oder zeichnet. Hier kann man nicht sparen. Farben kann man sparen, indem man zumindest auf der Palette nicht grosszügig anmischt, um sie anschliessend drei Tage eintrocknen zu lassen (ist mir auch schon passiert). Manchmal hilft es, auf ganz normalem Papier zu arbeiten statt z.B. auf teurem Japanpapier. Man ist weniger gehemmt.
Reduziere Überflüssiges
Manchmal hilft es, die eigenen Möglichkeiten zu reduzieren. Schauen wir uns folgende Szenarien an:"Verdammt, ich kann das nicht! Ich bin keine Künstlerin! Ich sitze hier vor 10 Papiersorten und dann muss ich mich noch entscheiden, womit ich male! Acrylfarbe, Ölfarbe, Gouache, Aquarell, Airbrush, Tusche... Es ist zum Haareausreissen!"
"Ich bin total überfordert mit diesem Angebot an Techniken. Heute habe ich Lust darauf, mit Aquarell zu malen. Ich werde mal diese Nass-in-Nass-Technik ausprobieren. Vor meiner Nase steht gerade eine Flasche Mineralwasser. Malen wir doch einfach die."
Natürlich ergeben sich ganz tolle Bilder, wenn man unterschiedliche Techniken mischt. Aber an irgendeinem Punkt muss ich eine Entscheidung treffen - sonst sitze ich am Ende frustriert vor dem Fernseher, statt zu malen.
Mehr von dem, was wichtig ist
Ich muss unbedingt mal ein T-Shirt selber nähen, das ist doch cool, wenn man den Stoff *und* den Schnitt selber wählen kann. Vielleicht kann ich irgendwann meine eigene Mode kreieren. das wäre so cool!
Ich möchte wissen, wie die früher gekocht haben. Also suche ich mir ein historisches Rezeptbuch heraus. Da hat es Rezepte, auf die wäre ich nie gekommen! Und die sättigen auch noch super! Muss ich sofort alle kochen.
Für meine Malerei brauche ich mal einen Ablagetisch. Wieso designe ich nicht gleich selber einen. Das ist doch wundervoll - Möbel selber bauen! Und irgendwann habe ich eine Wohnung mit Original self-made Designer-Möbeln! Wow!
Äh... War da nicht noch was? Stimmt! Ich wollte eigentlich mehr malen, weitere Projekte starten, damit ich mein Portfolio füllen kann, damit sie mich dann an der Kunstfachhochschule auch nehmen. Das wird hart. Ich muss echt gut sein, damit die mich nehmen. Hatte ich irgendwie verdrängt.
Noch etwas, das Entscheidungen erfordert. Ich bin ein Ideen-Messie. Am Ende bin ich total überfordert mit den vielen Ideen und hab gar keine Zeit mehr für irgendwas. Alles, was ich tue, passiert nur noch "häppchenweise", denn für eine einzelne Sache bleibt gar nicht mehr so viel Zeit. In meinem Tagesplan sieht es aus wie in einer vollgestopften U-Bahn. Ich könnte ja etwas verpassen.
Am Ende verpasse ich jede Menge. Wenn ich wieder am geistigen "Ausmisten" bin, merke ich, wie unglaublich befriedigend es ist, ein paar Stunden an derselben Sache zu arbeiten. Am Ende wirklich ein Ergebnis zu haben, nicht nur kleine "Häppchen".
Entscheidungen sind eine verdammt schwierige Sache. Aber wenn man sich nicht entscheidet, trifft man auch eine Entscheidung. Passivität. Das Leben wird zugemüllt und am Ende bleiben nur noch Häppchen übrig statt einer richtigen Mahlzeit.
Montag, 11. Juni 2012
Multitasking beim Essen - ein neuer Entschluss
Fernsehen zur Mahlzeit ist bei mir zur Routine geworden. Mit dieser Routine habe ich jetzt eine Woche lang für eine Mahlzeit am Tag gebrochen. Am Abend des dritten Tages bin ich wirklich erschrocken. Erschrocken darüber, wie schnell ich mich langweile.
Durch das Fernsehen wird die Realität geradezu grau und langweilig. Kein Wunder. Im Alltag gibt es keine Schiessereien und relativ selten Leichen und Hintergrundmusik läuft eigentlich auch nur im Supermarkt. Ich beginne langsam zu verstehen, was ich für das Fernsehen aufgebe. Es ist nicht nur die Zeit, in der ich vor der Glotze sitze. Es ist auch die Zeit, in der ich bewusst leben könnte - und die für mich stattdessen zum grauen Alltag wird.
Es ist fast, als wären wir tatsächlich in der Matrix und würden unseren Körper, mit Schläuchen und Drähten mit der Technik vernetzt, gar nicht mehr wahrnehmen. Nur, dass man in der Matrix immer noch aktiv etwas tun kann. Im Fernsehen passiert alles nach Skript. Wer schon einmal zwei Spielfilme nacheinander geschaut hat, weiss, wie es sich hinterher anfühlt. Als wäre das Gehirn zu Brei geworden. Ich bin dann total erschlagen, fast ein wenig orientierungslos und verdammt passiv. Und das Gefühl ist nicht besonders schön.
Ich habe mir immer geschworen, dass ich mit achtzig Jahren nicht das Gefühl haben will, das Leben verpasst zu haben. Ich will sagen können: hey, ich hatte ein schwieriges, aber erfülltes Leben und es ist okay, dass ich jetzt vielleicht bald sterben werde. Aber genau das ist das Fernsehen - verpasste Zeit. Zeit, die ich in der Matrix verbracht habe statt in meinem eigenen Körper. Werde ich irgendwann achtzig Jahre alt sein und mir sagen müssen: eigentlich habe ich die letzten 70 Jahre nur ferngesehen...?
Es gibt drei Arten von Nicht-Fernsehern. Gewisse sind so aktiv, dass sie schlicht keine Zeit haben, um fernzusehen. Andere sind aus Überzeugung dagegen. Und dann gibt es diejenigen, die suchtgefährdet sind und deswegen gar nicht mehr schauen. Ich würde mich zur letzteren Sorte zählen. Ich schau nur mal kurz ins Online-Fernsehen und dann bleibe ich hängen. Und kann nicht mehr aufhören.
Deshalb habe ich einen Entschluss gefasst: Ich trete dem Club der Nichtfernseher bei. Für ein Jahr. Ab heute. Spielfilme werde ich mir nur anschauen, wenn ich sie gekauft habe. Da das bei grösserer Menge recht teuer werden kann, wird sich mein Konsum hier in Grenzen halten.
Da ich nur im Internet fernsehe, werde ich die entsprechenden Internetseiten sperren. (Hier gibt es eine Anleitung für den Mac, falls sich jemand ebenfalls dafür interessiert.) Ich freue mich auf eine fernsehfreie Zeit. Die leere Zeit werde ich mit viel kreativen Tätigkeiten füllen. Bestimmt hört Ihr das eine oder andere davon.
Durch das Fernsehen wird die Realität geradezu grau und langweilig. Kein Wunder. Im Alltag gibt es keine Schiessereien und relativ selten Leichen und Hintergrundmusik läuft eigentlich auch nur im Supermarkt. Ich beginne langsam zu verstehen, was ich für das Fernsehen aufgebe. Es ist nicht nur die Zeit, in der ich vor der Glotze sitze. Es ist auch die Zeit, in der ich bewusst leben könnte - und die für mich stattdessen zum grauen Alltag wird.
Es ist fast, als wären wir tatsächlich in der Matrix und würden unseren Körper, mit Schläuchen und Drähten mit der Technik vernetzt, gar nicht mehr wahrnehmen. Nur, dass man in der Matrix immer noch aktiv etwas tun kann. Im Fernsehen passiert alles nach Skript. Wer schon einmal zwei Spielfilme nacheinander geschaut hat, weiss, wie es sich hinterher anfühlt. Als wäre das Gehirn zu Brei geworden. Ich bin dann total erschlagen, fast ein wenig orientierungslos und verdammt passiv. Und das Gefühl ist nicht besonders schön.
Ich habe mir immer geschworen, dass ich mit achtzig Jahren nicht das Gefühl haben will, das Leben verpasst zu haben. Ich will sagen können: hey, ich hatte ein schwieriges, aber erfülltes Leben und es ist okay, dass ich jetzt vielleicht bald sterben werde. Aber genau das ist das Fernsehen - verpasste Zeit. Zeit, die ich in der Matrix verbracht habe statt in meinem eigenen Körper. Werde ich irgendwann achtzig Jahre alt sein und mir sagen müssen: eigentlich habe ich die letzten 70 Jahre nur ferngesehen...?
Es gibt drei Arten von Nicht-Fernsehern. Gewisse sind so aktiv, dass sie schlicht keine Zeit haben, um fernzusehen. Andere sind aus Überzeugung dagegen. Und dann gibt es diejenigen, die suchtgefährdet sind und deswegen gar nicht mehr schauen. Ich würde mich zur letzteren Sorte zählen. Ich schau nur mal kurz ins Online-Fernsehen und dann bleibe ich hängen. Und kann nicht mehr aufhören.
Deshalb habe ich einen Entschluss gefasst: Ich trete dem Club der Nichtfernseher bei. Für ein Jahr. Ab heute. Spielfilme werde ich mir nur anschauen, wenn ich sie gekauft habe. Da das bei grösserer Menge recht teuer werden kann, wird sich mein Konsum hier in Grenzen halten.
Da ich nur im Internet fernsehe, werde ich die entsprechenden Internetseiten sperren. (Hier gibt es eine Anleitung für den Mac, falls sich jemand ebenfalls dafür interessiert.) Ich freue mich auf eine fernsehfreie Zeit. Die leere Zeit werde ich mit viel kreativen Tätigkeiten füllen. Bestimmt hört Ihr das eine oder andere davon.
Mittwoch, 6. Juni 2012
Multitasking beim Essen: Tag 3
Heute habe ich beim Abendessen statt wie die letzten beiden Tage beim Frühstück auf jegliche Ablenkung verzichtet. Jegliche? Mein Gehirn findet dann plötzlich alles spannend, selbst die Werbung einer Modefirma, die hier bereit liegt, um ins Altpapier abtransportiert zu werden oder eine alte Quittung. Hauptsache, man muss nicht "nichts" tun. Ich kaue und mein Gehirn sagt "laaaaangweilig - will was zu tun kriegen!". Wenn dann dazu das (ausnahmsweise Fertigfood) Essen nicht besonders schmeckt, kriegt mein Gehirn offenbar schier einen Tobsuchtsanfall...
Für Träume ist es nie zu spät
Ich glaube fest daran, dass es in jedem Menschen einzigartige Wünsche gibt, die heraus wollen.
Eine Bekannte von mir hat eigentlich seit ihrer Jugend homosexuelle Neigungen. Sie wollte aber immer nur irgendwie "normal" sein. Deshalb hat sie geheiratet, mit ihrem Ehemann ein Haus gekauft und einen kleinen Sohn bekommen. Sie hat versucht, sich anzupassen. Für ihre Eltern, für ihre Freunde, für wen auch immer. Vielleicht für sich selbst. Um einfach "normal" zu sein. Und jetzt hat sie sich in eine Frau verliebt. Es mag unglaublich schwierig für sie werden, vielleicht zerbricht an diesem Wunsch wirklich eine Ehe - aber was ist eine Ehe wert, in der man sich wie im Gefängnis fühlt?
Ein Freund von mir braucht einen neuen Schrank. Er will die weissen Türen nehmen, weil er befürchtet, dass sein bester Freund die Nase rümpft über die hochglanz-verspiegelten Glastüren mit Chromstahlfassung. Dabei mag er genau diesen Stil. Ich hoffe noch, dass er sich trotzdem die Türen kauft, die er sich eigentlich wünscht.
Ich selbst habe ein Studium angefangen, weil mich mein damaliger Freund dazu überredet hat. Hauptfach Publizistik, Nebenfach Informatik. Erst nach sieben Jahren erkannte ich, weshalb ich so unfähig war, zu studieren, weshalb jede einzelne Prüfung so ein unglaublicher Kampf war! Ich wollte das überhaupt nicht. Ich war nicht mit dem Herzen dabei. Informatik studierte ich, um meinem Vater einen Gefallen zu tun. Dabei hatte ich damals mit 19 Schriftstellerin werden wollen...
Vor einem Jahr ging ich dann auf Berufssuche. Bis dahin hatte ich meinen Berufswunsch im Wochentakt gewechselt. Ich schrieb alles auf eine Liste, aber wirklich alles, was mich auch nur im Ansatz interessierte. Unabhängig davon, ob ich das kann oder nicht. Und irgendwie gelang ich über Umwege zu der Webseite einer ansässigen Kunstfachhochschule. Da war dieses "Kribbeln" in meinem Bauch. Mir blieb die Luft weg. "Wenn das tatsächlich sein könnte... aber die nehmen mich doch sowieso nicht...", dachte ich. Andererseits kostete die Anmeldegebühr für den Vorkurs einen läppischen Hunderter. Fünf Wochen vor Anmeldeschluss rang ich mich durch und arbeitete mir die Finger wund.
Sie haben mich angenommen. Ich habe in meiner Kindheit nicht besonders viel gezeichnet oder sonst irgendetwas Künstlerisches gemacht. Ich hab immer nur Texte geschrieben. Aber je länger ich zeichne, desto mehr merke ich, dass es sich genauso anfühlt wie das Schreiben. Ich bin einfach glücklich. Ob ich Illustratorin, Künstlerin oder Kunstlehrerin werde, habe ich noch nicht komplett entschieden.
Mit neunzehn habe ich einen Fehler gemacht. Der Berufsberater hat mich gefragt, ob eine Ausbildung als Schriftstellerin in Frage kommen würde. Ich habe damals mit nein geantwortet. Ich hatte zu viel Angst. Dass ich finanziell nicht würde überleben können. Dass meine Eltern entsetzt sein würden. Ich bin froh, dass ich jetzt den Mut habe, endlich das zu tun, was ich tun will. An der Universität fühlte ich mich tot, die ganze graue Theorie erstickte mich. Statt dessen fange ich an, zu sehen. Wohin ich gehe, ich sehe Farben und Formen, ich sehe Geschichten, die es zu erzählen gibt. Ich erzähle immer noch Geschichten wie damals als Kind - nur diesmal in Bildern. Ich liebe es, Menschen mit meinen Erzählungen zu berühren. Und immer, wenn ich auf jemanden treffe, der sich seine eigenen Wünsche versagt - aus welchen Gründen auch immer - möchte ich diese Wünsche herauskitzeln, so lange, bis sie ihn oder sie richtig plagen, bis sie mitten in der Nacht mit geröteten Wangen aufwachen und nur noch fieberhaft an diesen einen Traum denken können. Man muss dafür nicht alles wegwerfen, auch ich arbeite nebenher im Informatik-Bereich, um meine Brötchen zu verdienen. Manchmal reicht es, wenn man den grossen Zeh ins Wasser streckt - und ehe man es sich versieht, schwimmt man davon.
Eine Bekannte von mir hat eigentlich seit ihrer Jugend homosexuelle Neigungen. Sie wollte aber immer nur irgendwie "normal" sein. Deshalb hat sie geheiratet, mit ihrem Ehemann ein Haus gekauft und einen kleinen Sohn bekommen. Sie hat versucht, sich anzupassen. Für ihre Eltern, für ihre Freunde, für wen auch immer. Vielleicht für sich selbst. Um einfach "normal" zu sein. Und jetzt hat sie sich in eine Frau verliebt. Es mag unglaublich schwierig für sie werden, vielleicht zerbricht an diesem Wunsch wirklich eine Ehe - aber was ist eine Ehe wert, in der man sich wie im Gefängnis fühlt?
Ein Freund von mir braucht einen neuen Schrank. Er will die weissen Türen nehmen, weil er befürchtet, dass sein bester Freund die Nase rümpft über die hochglanz-verspiegelten Glastüren mit Chromstahlfassung. Dabei mag er genau diesen Stil. Ich hoffe noch, dass er sich trotzdem die Türen kauft, die er sich eigentlich wünscht.
Ich selbst habe ein Studium angefangen, weil mich mein damaliger Freund dazu überredet hat. Hauptfach Publizistik, Nebenfach Informatik. Erst nach sieben Jahren erkannte ich, weshalb ich so unfähig war, zu studieren, weshalb jede einzelne Prüfung so ein unglaublicher Kampf war! Ich wollte das überhaupt nicht. Ich war nicht mit dem Herzen dabei. Informatik studierte ich, um meinem Vater einen Gefallen zu tun. Dabei hatte ich damals mit 19 Schriftstellerin werden wollen...
Vor einem Jahr ging ich dann auf Berufssuche. Bis dahin hatte ich meinen Berufswunsch im Wochentakt gewechselt. Ich schrieb alles auf eine Liste, aber wirklich alles, was mich auch nur im Ansatz interessierte. Unabhängig davon, ob ich das kann oder nicht. Und irgendwie gelang ich über Umwege zu der Webseite einer ansässigen Kunstfachhochschule. Da war dieses "Kribbeln" in meinem Bauch. Mir blieb die Luft weg. "Wenn das tatsächlich sein könnte... aber die nehmen mich doch sowieso nicht...", dachte ich. Andererseits kostete die Anmeldegebühr für den Vorkurs einen läppischen Hunderter. Fünf Wochen vor Anmeldeschluss rang ich mich durch und arbeitete mir die Finger wund.
Sie haben mich angenommen. Ich habe in meiner Kindheit nicht besonders viel gezeichnet oder sonst irgendetwas Künstlerisches gemacht. Ich hab immer nur Texte geschrieben. Aber je länger ich zeichne, desto mehr merke ich, dass es sich genauso anfühlt wie das Schreiben. Ich bin einfach glücklich. Ob ich Illustratorin, Künstlerin oder Kunstlehrerin werde, habe ich noch nicht komplett entschieden.
Mit neunzehn habe ich einen Fehler gemacht. Der Berufsberater hat mich gefragt, ob eine Ausbildung als Schriftstellerin in Frage kommen würde. Ich habe damals mit nein geantwortet. Ich hatte zu viel Angst. Dass ich finanziell nicht würde überleben können. Dass meine Eltern entsetzt sein würden. Ich bin froh, dass ich jetzt den Mut habe, endlich das zu tun, was ich tun will. An der Universität fühlte ich mich tot, die ganze graue Theorie erstickte mich. Statt dessen fange ich an, zu sehen. Wohin ich gehe, ich sehe Farben und Formen, ich sehe Geschichten, die es zu erzählen gibt. Ich erzähle immer noch Geschichten wie damals als Kind - nur diesmal in Bildern. Ich liebe es, Menschen mit meinen Erzählungen zu berühren. Und immer, wenn ich auf jemanden treffe, der sich seine eigenen Wünsche versagt - aus welchen Gründen auch immer - möchte ich diese Wünsche herauskitzeln, so lange, bis sie ihn oder sie richtig plagen, bis sie mitten in der Nacht mit geröteten Wangen aufwachen und nur noch fieberhaft an diesen einen Traum denken können. Man muss dafür nicht alles wegwerfen, auch ich arbeite nebenher im Informatik-Bereich, um meine Brötchen zu verdienen. Manchmal reicht es, wenn man den grossen Zeh ins Wasser streckt - und ehe man es sich versieht, schwimmt man davon.
Montag, 4. Juni 2012
Multitasking beim Essen: Erster Tag
Für heute habe ich mir eine einfache Mahlzeit vorgenommen: das Frühstück. Fazit: ich kaue wie ein Soldat, der zwischen zwei Gefechten kurz was zu sich nimmt. Mechanisch, energisch und schnell. Nach anderthalb Brötchen hatte ich genug - kommt bei mir normalerweise selten vor. Aber das Erstaunlichste war: ich hab so wenig Zeit zum Essen gebraucht! Bei mir kann sich eine Mahlzeit bis zu einer Stunde (reine Essenszeit) ausdehnen, wobei ich vermutlich 15min davon esse und 45min davon schlicht und einfach abgelenkt bin. Dass Single-Tasking auch noch zeitsparend ist, war mir bisher nicht derart bewusst.
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